¡La lluvia me mata! Schon den dritten Tag auf der Insel und noch immer regnet es. Nun gut, heute dennoch wieder raus und diesmal alles eingesammelt, um es richtig spannend zu machen. Hier die Checkliste von heute Vormittag:
Zeitdruck
Trübes Wetter
Hohe Regenwahrscheinlichkeit
stetige Höhenmeter
Wind
Nebel
Trotzdem war es ein schöner Trip und mal wieder durfte ich lernen, dass es da draußen Jungs gibt, die härter sind als ich.
Was muss man also machen, um diesen Trip nachzuvollziehen? Die Antwort ist einfach. Anstatt den Stausee von Cúber mit dem Bus anzufahren und dann den Abstieg durch den Barranc de Binairaix, verfährt man in umgekehrter Reihenfolge.
Dienstag, 29. Oktober: Nun sind schon über drei Wochen vergangen und anscheinend bin ich noch immer nicht ganz zurückgekehrt. Zwar bin ich seit ein paar Stunden stolzer Besitzer eines Bonbon-Computers[1] (die Tastatur ist winzig), aber Materielles macht in letzter Konsequenz nie wirklich glücklich – im besten Fall erweitert es nur einem den Horizont des Möglichen.
Seit drei Wochen zurück und natürlich fragen mich viele Leute wie der Trip war. Mittlerweile kürze ich die Antwort auch ziemlich ab: Daumen rauf, dann eine Empfehlung an den Fragesteller es mir gleich zu tun und bei Bedarf bringe ich eine Anekdote. Denke ich im Nachhinein an die verschiedenen Reaktionen von Freunden, Bekannten und Kollegenb, bleibt in Sume der Eindruck, dass Erzählungen vom/über den Jakobsweg samt der Erlebnisse ihrer Erzähler immer nur wirklich von den Eingeweihten – und seit Ende September gehöre ich zu eben diesen – verstanden werden.
Es ist noch gar nicht solange her, dass ich mir gewünscht hatte, dass mehr Menschen diesen Weg gehen würden. Zwar ist der Jakobsweg total überlaufen – na gut, es ist noch immer nicht Disneyland[2] -, dennoch ist es ein einmaliges Erlebnis und in meinen Augen allemal erfolgreicher als all die Institutionen, die eine bessere Menschheit versprechen. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass der Jakobsweg für die Gesellschaft heilsam ist.
Ich schweife ab; die obigen Zeilen sind aber u.U. aussagekräftiger als so manche meiner vergangenen “Daumen rauf” plus “Empfehlungs” Aussagen der letzten Zeit.
Nun zum eigentlichen Grund dieses Eintrags. Ich habe mal ein Video gebastelt. Es gibt zwar wenige Bilder von mir darunter, aber die Bilder sprechen trotzdem für sich.
Sonntag, 28. September: Geschlafen bis um halb neun; danach schoen sachte die Wanderung Richtung Santiago um neun angetreten und im Gehen zwei Muesliriegel und einen Apfel verdrueckt.
Ich habe mittlerweile auch ein Wandertempo an den Tag gelegt, sodass ich auf etwa 6km/h komme. Daher waren die letzten 24km insgesamt nicht mehr als nur eine weitere “kleine” Etappe.
14:30: Ankunft vor der Kathedrale in Santiago!
16:00-20:00: Wiedersehen mit Michael und Michael. Und dann Wiedersehen mit Ignacio, Iliana, Clemens, Elisabet, Enaki, Tobias, Anna…
Dienstag, 23. September: Ja, ich lebe noch. Leider gab es kaum Moeglichkeiten zum Bloggen. Dennoch sind wir Pilger miteinander vernetzt und so bekam ich heute dieses Mail:
Hi Marco,
ich bin gestern noch bis O Cebreiro gelaufen. Heute hat mich dann der Ehrgeiz gepackt und ich bin bis Sarria (rund 40km) gelaufen. War rund 10 Stunden unterwegs.
Somit werde ich dann wohl schon am Samstag in Santiago sein. Montag werde ich dann wahrscheinlich mit dem Bus nach Finisterre fahren.
In einer meiner Pausen habe ich mein braunes Kopftuch liegenlassen – wahrscheinlich kurz hinter San Xil. Falls Du dieses Mail noch vorher liest und ihr auch die kurze Variante nach Sarria nehmt, so haltet doch bitte mal Aussschau danach. Ca. 200m hinter San Xil ist rechts ein Gattertor zu einer Weide. Dort habe ich es wohl bei einer Pause unter einem Baum liegen lassen. Vielen Dank im voraus.
Wir sehen uns spaestens in Finisterre.
Gruss
Ja, manchmal ist der Camino im wahrsten Sinne des Wortes eine Suche… Keep on walking
Freitag, 19. September: Nachdem mich gestern von Marie und Mareike mit einem hasta mañana verabschiedet hatte, hätte ich heute beinahe unser Wiedersehen aufs Spiel gesetzt. Langschläfer werden halt überholt. Trotzdem war es doch echt erstaunlich, was in Murias de Rechivaldo ablief.
Es gibt dort zwei Schlafsäale und einer davon war gefuellt mit Pilgern der älteren Semester. Der andere Schlafsaal nahm die Spätankoemmlinge auf und war aus welchem Grund auch immer mit, ich sage mal, Jungvolk besetzt. Vielleicht hat aber der hospitalero auf eine Faustregel gesetzt: Alte Pilger schnarchen überdurchschnittlich häufiger als junge.
Egal, der Schlafsaal der Jugend erwachte natürlich nicht vor acht Uhr und meine Wanderung war dementsprechend von Tageslicht begleitet. Allerdings befürchtete ich, dass Mareike und Marie schon über alle Berge ähm.. Hügel waren.
Nun ja, der camino schlug mal wieder zu und nach zwei Stunden sah ich die Beiden in einer bar sitzen. (Wie gesagt, in Spanien sind die Bars nicht nur zum Genuss von alkoholischen Getränken da.)
Wir liefen zusammen los und es gesellten sich Ignacio, aus Mexiko, und Thibaut, Belgien, dazu. Lingua franca: Spanisch.
Das Wandern war zu fünft natuerlich sehr kurzweilig – trotz der langsam eintretenden Hitze. Die Mädels hatten schon Rabanal del Camino als ihr Tagesziel bestimmt. Die Tageszeit – es war gegen Mittag – war bestens geeignet und im Innenhof der Herberge Del Pilar servierte die hospitalera tolles Essen. Und da tauchte auch wieder Marie(de) auf, die wir zuletzt in Astorga gesehen hatten. Das Mittagessen wurde zum Nachmittagshappening, doch leider schwelte dabei der Plan von Ignacio, Thibaut und mir nach Manjarin zu wandern.
Ich hatte bei meiner Tagesplanung ab Leon die Herberge in Manjarin ausgesucht, weil ich wirklich mal auf den kleinsten Nenner wollte: Platz zum Schlafen, Essen, keine Elektrizität und kein fliessend Wasser. Zudem wird die Herberge (einzig bewohnbares Haus) von einem Tempelritter betrieben und ich dachte mir, dass dieser Ort bestimmt etwas hätte.
Nach vielleicht drei Stunden verliessen wir Rabanal und machten uns auf den Weg nach Manjarin. Dejar las chicas es siempre poco dificil.
Doch vorher ging die Wanderung durch Foncebadon und bei einem kühlen Getraenk in einer Bar, die aussieht (und auch der Wirt), als wäre sie aus der Zeit von Asterix und Obelix, tauchten dann auch Michael und Michael wieder auf. Sie waren schon in Foncebadon angekommen während Thibaut, Ignacio und ich noch beim Nachmittagsplausch saßen. Die Beiden waren in Foncebadon in der Herberge untergebracht.
Die Wanderung ging als baskisches, deutsch/türkisch/indisches, mexikanisches, belgisches, deutsch/serbisches Sextett weiter und wir erreichten zusammen das Cruz de Ferro.
Endlich! Endlich konnte ich diese gefühlt tonnenschweren Steine abwerfen, die ich aus Karlsruhe und Berlin fuer meine Freundin und Familie mithatte.
Mein Stein, in etwa 500 Gramm besten Berliner Granits, hielt ich für eine gefühlte halbe Stunde in den Händen, bevor ich ihn am Cruz de Ferro ließ. Die späte Stunde sorgte dafür, dass wir im Prinzip alle Zeit der Welt für unsere Gedanken hatten.
Schweigend setzten wir, Thibaut, Ignacio und ich, die Wanderung fort. Wir sprachen erst wieder, als wir Manjarin erreichten.
Manjarin war einer der schönsten Orte auf dem camino. Nicht unbedingt wegen der Landschaft, sondern wegen der Stimmung: Katzenwäsche im Feld, draussen essen beim Sonnenuntergang, die Stille der Berge, tolle Leute.
In allem, Rabanal, Manjarin, war das bis hier definitiv der schönste Tag auf dem Camino. Doch das Plumpsklo (moderne Variante, mit Kalkpuder) sparte ich mir bis zum Morgengrauen auf.
Donnerstag, 18. September: Heute galt es mal wieder eine Entscheidung zu treffen: Die kürzere Strecke (Unterschied 1km) oder die längere, dafür aber die schönere, nach Astorga nehmen. Die Wahl fiel schnell und eindeutig, weil die kürzere Strecke wieder auf irgendsoeine Nationalstrasse führte.
Nachdem ich in Hospital de Orbigo wieder die beiden Ungarinnen getroffen hatte (eine von den beiden erholte sich von dem komischen Magen-Darm-Infekt), war ich guter Dinge. Ich lief mal wieder allein, aber schliesslich ist das ja hier die Pilgerautobahn und als solche hat der Jakobsweg einen Ruf zu verteidigen. So folgte ich etwa eine halbe Stunde drei Mädels, die sich auf spanisch unterhielten.
An einer wirklich merkwürdigen Pilgerskulptur – bekleidet – holte ich die Drei ein und erkannte doch tatsächlich jemanden. Marie hatte ich nämlich drei Tage vorher in León in einem T-Shirt Shop (diseños mutante) getroffen.
Wir stellten uns einander vor und zufällig nannte ich meinen Namen als Letzter. Ich musste schon schmunzeln, weil Marie, Marie und Mareike und Marco doch schon eine witzige Alliteration ist. Ich nannte meinen Namen und bemerkte, dass alle drei Namen mit dem schönen spanischen Wort mar beginnen. Seit jenem Moment wurde mir bewusst, dass mein Ziel eigentlich Finisterre und nicht Santiago heisst.
Wir wanderten zusammen bis Astorga und ich erfuhr, dass Marie (aus Frankreich, nicht T-Shirt-Shop) und Mareike (aus Deutschland) schon das dritte Jahr auf dem Camino wandern. Jedes Jahr immer ein Stück, seitdem sie sich in Madrid getroffen hatten. Marie (aus Deutschland) stiess einfach einen Tag früher mit den beiden zusammen und so unterhielten sich alle drei immer auf Spanisch.
Anyway, meine paar Brocken Spanisch sind auf jeden Fall lächerlich gegen das, was die Drei drauf haben.
In Astorga verabschiedeten wir uns mit einem hasta luego, wobei keiner von uns wusste, dass luego in Wirklichkeit nur 2 Stunden später hiess.
Marie (fr), Mareike (de) und ich tranken an der Kathedrale noch zusammen etwas und mit einem hasta mañana verabschiedeten wir uns.
Ich wanderte nach Murias de Rechivaldo und war froh dann kurz vorm Zubettgehen festgestellt zu haben, dass mein Handyladegerät doch nicht kaputt war – wäre echt fies gewesen.
Mittwoch, 17. September: Unterwegs – mal wieder. Der Temperaturunterschied über den Tag ist schon seit etwa zwei Wochen gewaltig. Morgens um sieben hat es eher 5 als 10 Grad, tagsüber knallt die Sonne drauf und die Temperaturen klettern den 25 Grad entgegen.
Heute habe ich die Etappe etwas früher als sonst begonnen. Irgendwie wollte ich nicht länger schlafen, stand dann auf und ein Blick auf mein Handy verriet mir die Uhrzeit: 5:51 ! Im Prinzip heisst das um diese Jahreszeit Nachtwanderung. Während die Sonne im Osten aufging, hing der fast volle Mond direkt im Westen. Man darf sich halt nur nicht durch zu viele der gelben Pfeile verwirren lassen und falls doch liest man einfach im Wanderführer nochmal nach.
Ich war guter Dinge, denn immerhin hatte ich fast drei Tage Ruhe. Die 28km Etappe war damit eigentlich nur eine Übung. Gut, nach etwa 25km melden sich die Beine wieder, aber das ist schon sowetwas wie Routine. Und ausserdem herrschte nur die ersten 1,5h Nacht
Nach einer kurzen Begegnung mit einer Ordensschwester der Franziskaner habe ich heute gelernt, dass man die Orden nicht mehr wie früher an der Kleidung ausmachen kann. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.
Und wieder mal einer dieser tollen mittelalterlichen Orte. Die Römer konnten schon coole Bruecken bauen.
Dienstag, 16. September: Heute ist ausschlafen ist angesagt, weil ich heute nur neun Kilometer nach Virgen del Camino wandern werde. Ich bin nach der leichten Lebensmittelvergiftung wieder komplett genesen. Nicht zuletzt deswegen steht mein Wohlfühlbarometer ziemlich hoch, dennoch ist heute auch eine gewisse Melancholie vorhanden.
Monis und Andreas’ Programm ist heute auch nicht sehr anspruchsvoll: Busbahnhof aufsuchen und dort den Bus nach Villafranca del Bierzo nehmen, damit sie ihren Flieger in Santiago nicht verpassen. Kurz bevor wir uns verabschieden wollen, taucht doch tatsächlich Dr. Ungefragt auf. Wir nehmen es gelassen.
León ist im Zentrum wirklich schön; außeralb eher weniger. Ich steuere entlang des Rio Bernesga wieder langsam auf den Camino zu und “geniesse” die äußeren Ausläufer der Stadt León bis ich nach kurzer Zeit Virgen del Camino erreiche. Irgendwie ist heute alles melancholisch.
Es muss wohl daran liegen, dass ich nun immer seltener Leute auf dem Camino treffen werde, die ich kenne.
Montag, 15. September: Um die eventuellen Fragen zu beantworten: Mein Magen ist wieder im gelb-grünen Bereich. Mir ist “nur” noch übel, wenn ich an all die süßen spanischen Teilchen denke, die die Spanier zum Frühstück verdrücken. Aber so ging es mir auch schon vor einer Woche. Keine Ahnung, wie die soviel Zucker bloß vertragen …
Moni und Andreas meldeten sich gestern und baten mich nach einem hostal Ausschau zu halten. Sie waren 18km vor León und nahmen den Bus.
Hostales sind soetwas wie eine Pension und schmeissen einen nicht wie die Pilgerherbergen bis spaetestens 8:30 raus. Schlafen bis halb elf und bei mir setzt das Sonntagsgefühl ein – oh yeah. Frühstück um halb zwölf und mir ist egal, dass andere arbeiten müssen. (Gruß an die Gudrunstrasse)
Heute heisst es ein bisschen sightseeing, eventuell shoppen und danach gut essen. Und weil ich so gelassen bin, quengeln meine Beine, weil sie anscheinend phantomwandern oder soetwas. Ich denke aber eher, dass die Schmerzschwelle nach so viel Gelassenheit, wieder so weit unten ist, dass die Leichtigkeit des Seins schon unerträglich wird (Ja, ich kenne das Buch von Milan Kundera.)
Morgen, das ist ein anderer Tag. Ein Tag, mit mit nur neun Kilometern Strecke, weil ich mich in Gelassenheit übe…. Der erste von den letzten 14 Tagen bis Santiago.
P.S.: Tell Clausa I needa moah monay, because Monique needs a new Pelzmantela. It is colda in Paris.
Sonntag, 14. September: Ich ignoriere alle, die heute früh aus der Herberge stürmen, denn ich habe ein anderes Ziel: Den Bahnhof.
Am Bahnhof angekommen stelle ich fest, dass die Tickets erst ab neun verkauft werden, aber mein Zug geht um 11 vor neun. Ich suche im leeren Bahnhof eine wenig herum und gehe in die bar. Dort sitzt der Bahnangestellte, der meiner Meinung nach in den Verkaufsschalter gehört, und frühstückt.
Nach einem kurzen Plausch erfahre ich, dass es grundsätzlich keine Fahrkartenautomaten gibt und dass es nicht eh nichts bringt, weil der Frühzug sonntags nicht fährt.
Vale, un ColaCao, ¡por favor!
Endlich mal wieder Zeit fuer Postkarten – mein Serbisch ist ziemlich eingerostet – und danach ein bisschen Wegplanung. 12 Etappen noch von León nach Santiago – zwei davon über 30km lang.
Ich übe mich in Gelassenheit und beschließe, dass 12 Etappen nicht so gut klingt wie 14.
Ich übe mich in Gelassenheit und beschließe mit dem Buch anzufangen, dass mir Michael in der Herberge gegeben hatte – schliesslich muss ich noch drei Stunden auf den Zug warten.
Ich übe mich in Gelassenheit, weil ich festelle, dass “Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück”, mir gut tut.
Ich übe mich in Gelassenheit, weil ich weiß, dass ich bestimmt in Santiago de Compostela ankommen werde… und weil es auch Busse nach Finisterre gibt.